It's just an old war / Not even a cold war / Don't say it in Russian / Don't say it in German / Say it in broken English / Say it in broken English.

jetzt hab ich hier alle hände voller zaumzeug und weiß nicht wo anfangen - und mein englisches halbblut stampft in seiner box. easy, brauner.
Sprechen wir vorerst von Lyrik:
Texte müssen nicht einfach sein. T.S. Eliot, 1921 ging einen Schritt weiter: Dichter, in unserer Zivilisation .. müssen schwierig sein (difficult) - Wenn es dem Text allerdings nicht gelingt, plausibel zu machen, dass die eingeforderte Aufmerksamkeit und die Arbeit am Verstehen lohnende Investitionen sind, verdient er es vermutlich nicht besser - wobei auch nicht auszuschließen ist, dass es zuweilen auch der Leser sein kann, der den Text nicht verdient. Ich spreche nicht von vorsätzlicher Verdunkelung, nicht von obscurity - um hier vielleicht einmal die Nachtseite der difficulty aufzurufen - ich spreche von einer Schwierigkeit, die der Komplexität der Erfahrung analog ist.
Wenn es nicht leicht ist, gute Gedichte zu schreiben, warum sollte es dann leicht sein, gute Gedichte zu lesen? Das ist eine Sache der Erfahrung und des Dabeibleibens, so wie es hilft, ein erfahrener Trinker zu sein, um einen guten Wein von einem sehr guten Wein zu unterscheiden.
Wordsworth sprach gerne von einem Vertrag, einem freiwilligen Vertrag, den der Leser eingeht mit dem Text - es könnte auch, weniger legalistisch ein Versprechen sein - reading with charity - das von beiden Seiten eingelöst werden sollte - über eine gewisse Dauer hinweg. So wie das Begehren einen temporalen Anteil hat, ist auch das hermeneutische Projekt eines, das sich entlang einer Zeitachse entwickelt - die Zeit eben, die es braucht etwas zu verstehen. Und das ist das Versprechen. Ich will auch nicht sofort verstehen. Das geht soweit, dass ich beispielsweise in manchen Gedichten von Ezra Pound einige Begriffe vorsätzlich nicht nachschlage, weil ich mich an ihre monolithische Qualität gewöhnt habe. Weil sie materiell, opak geworden sind, Konsonanten-Cluster, ausgestellt wie ein bizarres Objekt, das ich introjizieren müsste (aber wo hinein ??) - um es zu übertragen. Bleibt die Wiederholung. Auch ein Zwang. Aber kein schlechter.
Zu den englischen Begriffen:
Klaus Reichert beklagt in seinem Test "Zur Technik des Übersetzens amerikanischer Gedichte" das Nichtvorhandensein der Umgangssprache als Literatursprache, wenn es um das "Eindeutschen" geht.
"Olsons Feldtheorie - die sprachliche Einheit (jeder Wörterverband, der auch ein Satz sein kann) als Energieübertragung: von dort, wo der Dichter die Wörter herhat, bis dahin, wohin er sie haben will, zum Leser oder zum Hörer - diese Feldtheorie läßt sich überhaupt nur postulieren, wenn die Möglichkeiten umgangssprachlicher Fixierung vorausgesetzt werden. Denn nur in der Umgangssprache sind sprachliche Einheiten vorn und hinten ausgefranst. Olson durfte allerdings mit einem vorbereiteten Bewußtsein rechnen: seit Whitman, spätestens seit W.C. Williams, kommt in den Staaten die Buchsprache von der Umgangssprache nicht nur her: die eine definiert sich zugleich durch die andere. Dieses Selbstverständnis im Umgang mit gesprochener Sprache als Literatursprache kann man, leider, im Deutschen nicht nur nicht voraussetzen: verwendet man gesprochene Sprache, so klingt es "zitiert"."
Der Übersetzer, so Reichert weiter, müsse in diesem Fall eine Umgangssprache als Literatursprache "aus dem Boden stampfen" - in der Hoffnung auf einen Rollentausch "dass nämlich Buchsprache, wo sie auftaucht, sofort als Zitat apostrophiert wird und nur als solches noch erträglich ist." Ob ich diese Schlussfolgerung mitmachen würde, weiß ich jetzt nicht, aber:
Die Triftigkeit der umgangssprachlichen Rede, ihrer Pointiertheit und der Hof, den sie mit erleuchtet, kann zuweilen in einer "fremden Sprache" ein größerer sein. Wenn ich beispielsweise folgendes aufrufen dürfte:
"""I (We) Can T Hear You""" - Da höre ich das Stadion, höre ich Rituale des Aus-Sich-Herausgehens, Fans, die Band, herausfordernd, verspielte Arroganz, Triumph, das Spiel und seinen Regeln, herangerissene Mikroständer, Glam Rock, gute alte Steigerungen.
oder
"""Stop the silent treatment""" - wie wäre diese Formel ersetzbar, in ihrer Disposibilität, in ihrem populärtherapeutischen Klippschulverständnis einer passiven Aggression von unglücklicher Kommunikation? Redet mit mir? Sprich mit mir? Ich will jetzt wissen, was du denkst? Hört auf, nicht mit mir zu reden? Raus aus dem Schweigegelübde? Nieder das Beichtgeheimnis? Isohaft ist Folter, Isohaft ist Mord? Vorschläge erbeten.
// Am Rande, siehe auch den Dialog zwischen dem Beerdigungshelfer und Budd, kurz bevor Beatrix Kiddo lebendig begraben wird // würde mich fragen, wie die deutsche Synchronisation das gelöst hat, René??//
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The Silent Treatment is not to be confused with the techniques of Riding It Out or Admirable Restraint. This technique, unlike those, is not appropriate for the reality of the situation. The Silent Treatment is immature, inappropriate and counterproductive. It is not positive communication, but negative communication. Dan’s silence is sending Florence a message, “I won’t talk and you can’t make me.” Florence is getting it loud and clear. When Dan gets angry, he goes into his control mode. He shuts down and clams up. Florence used to pound on his chest, “Speak to me, Dan.” His lips were sealed. He was a fortress under siege. He would not crack.
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D'accord, beim Gebrauch des Wortes """apparently""" sehe vermutlich nur ich (plus eine Bande Freunds) Eddie Izzard vor mir, der dieses Wort mit einer (o so charming) wimpernden Nachträglichkeit, mit einer so präzisen Verzögerung nach dem Verlauten der Pointe einfach hinter sich fallen läßt - um dann, mit einem halb verzögernden, halb anzüglichen """SoooOOOooo, yesSS""", neue Geschwindigkeit aufnimmt und die nächste Kurve nimmt. Da würde vielmehr der Vorwurf einer privatsprachliche Anhaftung wirksam, da kenne ich aber ganz anderes Haften. Diese Fixierungen sind ja nicht Sache von Nationalsprachen, im Gegensatz zu jener nervösen Fremdsprachlichkeit, mit der man Gedichte lesend eh' konfrontiert ist - glücklicherweise.
Aber Einzelfälle will ich gar nicht aufrufen müssen, um zu rechtfertigen, wie die eine Sprache in die andere geht und wieder zurück. Hach, ich könnte mich sogar ärgern. In der Frage, warum nicht gleich Englisch schreiben, höre ich, mit Verlaub, eine stumpfe Konsequenzmacherei mit (drüben gehen). Sprachen, die in Kontakt miteinander stehen, Sprachen, die eine Fremdheit mittransportieren, die Überbleibsel einer nicht geglückten Übersetzung (YO Hermeneutics), BROKEN ENGLISH als der kleinste gemeinsame Nenner in Displacement und Migration, aber auch Songs, die einen begleiten, das, was man liest, Freunde, die man hat, mit denen man keine gemeinsame Sprache als die Englische teilt, international relations, identitätsarmes Denken (maybe you'd have to be a woman to understand), Teams mit Leuten von überall her, Festivals, grenzüberschreitende Kalauer, es sind eben keine geschlossenen Systeme - und ich finde, es sollen, können, müssen, dürfen auch gar keine sein.
So wie einem eben Begrifflichkeiten in's Denken einfallen und man meint, man könne es nicht anders sagen als eben so. Und die Spur, die in einer Fügung wie "a fucking lesson in Demut" nachruckelt, will ich auf keinen Fall missen. Ich will ein T-Shirt tragen dürfen, auf dem steht: """Adalbert Stifter Factory Team.""" Genaugenommen will ich so ein T-Shirt erstmal haben. Ich will auch sagen dürfen: der sommer war a space so vast - weil die Vokalverschiebung von "war --- zu ---space --- zu --- sooo -- zu -- vast" eine Mischung schafft, die wandlose Hallen in mir aufruft und (thank god) dem Rilkeschen sehr großen Sommer, Herr, war, einfach mal kein Visum ausstellt. Jedenfalls nicht sofort. Ob daraus dann ein wie auch immer guter Text wird, ist SELBSTverständlich eine ganz andere Frage. Mich stört nur so ungemein der Abwehraffekt, ja, komisch, wie einen manche Sache stören.
Es gibt in dem Adorno-Text über den Essay, in dem ich gerade auch in Sachen Lyrik gewildert hab, es eine Stelle über Simmels Gebrauch französischer Begriffe in seinen Essays:
"Seine (des Essays) Totalität, die Einheit einer in sich auskonstruierten Form, ist die des nicht Totalen, eine, die auch als Form nicht die These der Identität von Gedanken und Sache behauptet, die sie inhaltlich verwirft. Die Befreiung vom Identitätszwang schenkt dem Essay zuweilen, was dem offiziellen Denken entgleitet, das Moment des Unauslöschlichen, der untilgbaren Farbe. Gewisse Fremdwörter bei Simmel - Cachet, Attitude - verraten diese Intention, ohne dass sie selber theoretisch behandelt würde." (37 f)
Warum bringt er hier das, was Simmel sich aus dem Französischen nahm - und nennt es Unauslöschliches, untilgbare Farbe? Ich glaub, ich weiß es, auch wenn ich Formulierungen, die mit Unauslöschlichem hantieren, gerne skeptisch gegenüberstehe.
"In Wahrheit sind alle Begriffe implizit schon konkretisiert durch die Sprache, in der sie stehen. Mit solchen Bedeutungen hebt der Essay an und treibt sie, selbst wesentlich Sprache, weiter: er möchte dieser in ihrem Verhältnis zu den Begriffen helfen, sie reflektierend so nehmen, wie sie bewußtlos in der Sprache schon genannt sind. " (27)
Und es ist auch dieser bewußtlose Zugriff, der die Ränder des Begriffs mitgreift und delokalisiert, oder in Merrills Gedicht "Lost in translation", in dem es anerkennend heißt: mademoiselle does borders? Übersetzt mir das. Fräulein kennt sich aus mit Grenzen??? Mag sein, ich bin faul, vielleicht bin ich aber auch nur fixiert. Vielleicht ist die fixation eine Form der Faulheit?
Und zum schluss, um zur difficulty zurückzukommen, das hab ich schon öfter zitiert:
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Poetry can offer us images of the activity of making language authentic, whether that involves rejecting a phrase that „first enhances, then debases," or mining clichés for the core of vitality that remains in them. But poetry can also warn us against the temptation to imagine that we have arrived at an absolute and unassailable lucidity. Poetry, because it has the potential to be the most difficult kind of writing, can most effectively pose the demands of experience, as they are sedimented and embodied in the language we use, against their reduction in the formulas of skepticism that now come so naturally to our minds and lips. It has become easy for us to identify the categories and habits of thought produced by the skeptical intellect with truth, even when we have dissolved the notion of truth back into a language game or an effect of power. Poetry, by bringing us to a greater awareness of the languages by which we understand our experience, should help us resist the reduction of experience to formulas, whether those are the formulas of lyricism or of lucidity. But to do so it will have to be difficult.

Vernon Shetley: After the Death of Poetry. Poet and Audience in Contemporary America. Auch schon wieder elf Jahre alt,
so - und jetzt hab ich das Halbblut aber (bond*age) mehrfach überzäumt - der komische Nachhall des so eifrig Hinzuproduzierten - after-show-party - immer noch: eine Band sein wollen.

Monika Rinck