INS SCHREIBEN GEDREHT

 

Schreiben, Pelz blinden Tuns, zuerst das Blinde tun, Fratze tun, das Tun, das verschiedene Inhalte und Knospen aus sich selbst heraus und treibt: der Herr, die Sonne, Wetter und Blätter, ist das Ich und staffiert zurecht, indem irgendwo irgendetwas wiedererkannt wird, indem es Inhalte ausschüttet; die Brache, das Unnütze liegt vor blinden Augen, erhält Inhalt, worauf sich beide vermischen, weil da ein Auge ist, das dann sagt: ich sehe etwas.
Oder: Milch gerinnt zu Regenbogen.


Haus des Nichts, aus dem heraus, Alles, und das diktiert ein Etwas, diktiert ein ganzes Faß, Haus aus Reichtum und geschmückt mit Fahnen, gewebt aus Stimmen jeden Außens und die fassen das, was da ist und sich selber schreibt, leicht und viel, schreibt ein Ich das, was da geschrieben wird, während kein Ich gar nicht weiß, was da ist, während es Begriffe hißt, runde vielleicht, die ins Oben fahren und sie breiten sich aus, aus Allem rundum heraus und verflüssigt zu Geschriebenem, das sitzt auch im Hals, im Geschirr fester Zähne und loser Kraft, schreibt feste Form aus Namen, die werden Wörter und lassen Sätze schreiben, während geschrieben wird, was gelesen wird, dann und das ist da: Stich aus der Mitte des Schreibens.


Fluß: aus dem Nichts, aus dem Alles heraus, diktiert ein Etwas, angereichert durch die Stimmen jeden Draußens und Wind, der da schreibt, vielleicht Licht, schreibe ich und wird geschrieben, weil ich zuerst gar nicht weiß, was da in meinem Griff ist und das, was sich da ausfährt, um sich weiter auszubreiten und vom Flüssigen zum Starren überzugehen, um dann, als Geschriebenes im Gebiß sichtbarer und fester Form mit Namen, Wörtern und Sätzen, geschrieben worden zu sein, das, was sich da in der Mitte des Schreibens selbst befindet.

Ein Windstoß: der Satz „Kühlschrank singt Insekt“ ist da und öffnet sich, hat sich schon vor alles andere vorgedrängt, hat ins Maul gepaßt und schon lange hat es seinen Platz zwischen allem und auch dem Brachdaliegenden, im Noch - Verborgenen, sichtbar eingenommen



QUELLE
Wellen aus Wiese, sichtbar und rollend, mit dem Segel eines Baums.
Der mit seinen Wurzeln die Erde vor sich hertreibt, um dann immer, aus verwachsener Böschung herauszuspringen. In die Augen, mit den Äpfeln und dem Wind.
Mein Blick liegt im Freien, zu einem Zopf aus Wind und Sonne verknotet, streift ein Kopf Tapete, fährt eine Schere aus Papier an der Wand entlang und schneidet Rosenblüten auf. An der Wand entlang, hinüber zu einem Vorhang, der alle Zimmer teilt.

DIE NACHT
habe ich, fern von allen Nächten, verbracht und
nicht ins Reine, sondern ins Unreine, Verschwommene,
Schmutzige und Unsaubere geschrieben.
Mit Gewicht aus Himmel,
meiner Kraft anderer Augen
ist die Nacht nur eine Schicht Wörter, die
in diesem Himmel sitzen,
weil die Schrauben des Seils, der Seile,
an denen ich hänge, nicht fest sind.


DAS DENKEN
bewegt sich (und ist nicht festzumachen, läuft mit sich selbst davon),
viel Salbei, Hund,
läuft an der Hand der Wege, deren Ränder Häuser bauen,
die dann auch noch mit den Augen mitlaufen.
Während ich Wege trete, habe ich sie immer
schon ausgewählt. Das (Wege -) Treten, noch bevor
man weiß, daß man es bereits tut und sogar
bereits getan hat, und, während man es weiß, wird
schon weitergetreten, auch den eigenen Schatten,
der immer längst schon tritt, noch bevor
man überhaupt gesehen hat.


Auswählen
sogenannt oder auch
Ausgewählt - Haben (der Denkwege, die man während des Denkens tritt),
sogenannt
ist kein entschiedenes und nicht wirklich
entschlossenes, irgendwo gewolltes, vielleicht,
weil es nur so tut, weil es einen Körper hat:
das, von dem man meint, man denke es gerade.


Alibi:
zurechtgebogenes Recht, um die
linken Wege im Samt des eigenen Tretens
einzurollen: das, was das erzeugt hat,
das, was man schließlich denkt und meint,
zu denken, das zu denken.


Da:
kommt man nicht heraus. Aus dem Rundgang der eigenen
Sicherheitsbeamten, die viele Wege zu einem Haus zusammenbauen.


Aber trotzdem:
weiterfahren, weil jede Entscheidung zwar zeitverkehrtes Alibi
ist, aber, um das eigene wirre Herumgehen,
Treten ins Recht zu flechten, um als
Nachhinein hinzubiegen. Eben,
weil es schöner ist, immer noch,
zu gehen, auf Wegen, deren Ränder schneller fahren, als die Wege: selbst.


Und:
immerletzter Schritt und Schnitt,
Schwarz auf viel Weiß hingesehen, ist
ein Blatt vom Apfel gefallen,
ich habe einen Satz gemacht:
und, zum Trotz aller Festnahmen, war es
gar nicht viel mehr als ein Vorhang,
der jedes Dahinter unberührt läßt.
(Das zerrinnt zwischen den Fingern wie die Wörter,
und sieht aus:
viel frisches Bilderwasser).


Oder auch:
Ungeformtes gerinnt zu Form, im schwarzen
Haus der Buchstaben, die darin eingegossen sind,
irgendwo stehengelassen, vergessen wurden.


Oder auch:
wer weiß schon wirklich, warum er jetzt das und nicht etwas anderes tut.
Das Sich - Entscheiden als Müdigkeit der Mangel der Geduld, die die jeweilige Sache dauernd von einer Hand in die andere wälzt, um immer wieder alle Ränder, Wege und Aussichten plattzuwalzen.


Später dann:
Abwägen, hin- und herwiegen, das Meer
in eine Papierschüssel gießen,
in den eigenen Kopf hineinspringen,
alles aufwühlen und
nichts als Meer, nichts als Ränder, Wege im Haus der Wege:
Schein.



Oder man müßte beim Zirkus sein, Jongleur sein:
unendlich viele Bälle von einer Hand in die andere nehmen, Halbkreise aus fliehender und gestockter Luft werfen, öffnen, schliessen und wieder auffächern. Entscheidungsjongleur sein und unendlich viele Möglichkeiten einer Sache im Gleichgewicht halten, sodaß die Bälle, flirrend und fliegend, in der Luft bleiben und solange, bis man nicht mehr kann. Halten, ganze Schlangen aus Möglichkeiten, die irgendwann von alleine auf die Erde fallen.
Vielleicht noch: welcher fällt zuerst, welcher wäre zu retten.
Und: „In der Hand halten“ hieße hier: „am Fliegen und Schweben halten und so bleiben“.


Genauso viele Sinne, Augen und Beine. Plötzlich fliegen sie einfach davon, während man sie alle noch hat. Sie bleiben am Körper, während sie ihn bilden, zu dem machen, was er ist, kann er, der Körper, ganzbleiben, obwohl man sie, diese unzähligen Sinne, Augen und Beine davonfliegen sehen kann.


Variation: Aber genauso wie die Bälle fliegen mir oft die Sinne, Augen und Beine einfach davon, während ich sie (und das ist hier anders) trotzdem noch habe.
Und jetzt und trotzdem habe ich sie alle noch. Sie bleiben am Körper dran und bilden meinen Körper, dieses vom Außen gesehene und von dort aus genannte „Ich“. Der Körper kann also ganzbleiben, obwohl ich sie, diese Sinne, Augen und Beine davonfliegen sehen kann, ihr Fliegen denken und sehen kann. Die Sinne sind zwar unsichtbar (werden anders wahrgenommen), fliegen aber zum Beispiel mit einem Geruch mit (diese, die Sinne, sollen sogar fliegen (weil sie es können)): sie fliegen mit ihm auf, schlagen Lufträder und werfen Rosenräder ab - um sich gleich darauf wieder zur Knospe einzurollen.


Oder Liebesleid, Leid, das jedes andere und im Moment verfugte Leiden stößt, um sich am Glitzern sehniger Wellenoberflächen festzukrallen, um Halt zu haben, um Widerstand und Sehnsucht zu haben, Gegenwart und viel Meer aus Jetzt und Spiel:
jetzt würde ich den Ausblick aus dem Fenster genießen, um ihn nicht mit den Wegen völlig verwirrter und querlaufender Gedanken zuzudecken, damit nicht alle Bilder- und Fensterteile durcheinanderwirbeln und der Blick sich so schließlich selbst verschleiert; wenn nicht, wenn man doch oft mit anderen Augen sehen und denken könnte, mit solchen, die sicher, fest und zweifellos auf der Erde „stehen“, weiter sitzen und keine Zweifel an sich selber dulden.


Die Zweifel, obwohl der Grund meines Stehens auf unendlicher Menge von Zweifeln steht, die aber so, als zweiter Grund auch wieder und wegen ihrer Menge schützt, indem sie federt und Vielzahl in konfuse Suche und Sicherheit umschlägt, während alle Bälle springen, ohne jemals zu Boden zu gehen;
ja, dann bilde ich mir ein, daß ich meine Zweifel besser als die anderen jongliere, weil sie wackeln, weil nie etwas dabei herauskommt, kaum festes Sagen, aber irgendein Kraut, das wächst und seine Form auf den Wegen ihres Wachsens schwebt und Erde scheut.


Doch, manchmal gibt es auch das Nicht - Zweifel - Jonglieren, keine Halbkreise, sondern ganze Kreise aus Papierhaut, die aber die Wörter und Sätze akzeptieren wie sie fallen und ich sie greifen will und alle Augen, Beine und Sinne Spannung singen, ein ganzes Netz aus Zuordnungen und Umgebung schwingen lassen: das ist stark, weil es dehnbar ist, weil sich alles in diesem Netz selbst hält und selbst Netz ist.
Dann nähere ich mich den Wörtern an, fahre Taktsinn heraus und will das Wort ,Baum‘ samt Baum an mich reißen:
wo sind die Wörter festgezurrt, an was sind sie aufgehängt und ich will das Segel wissen, und jeden Kontext und jedes Gefüge aus Gemeintem und Gesagtem, Nicht - Gesagtem und Nicht - Gemeintem: wissen.
Dann sind die Wörter mein einziger Anhaltspunkt, der greifbar ist. Und der ganze Kontext tanzt, Himmel und Wetter laufen mir davon und in den roten Teppich flirrender und verknüpfter Meinungen hinein, und die Wörter schießen heraus und dann werde ich getroffen und dann wollte man mich treffen, um ganze Bänder und ganzes Meinen durchzuschneiden, abzuschneiden, um mir etwas, das jetzt ganz woanders geht, wie einen Köder hinzuwerfen.


Variation: Das ruhige Zusammen - mit - den - Wörtern - Dasitzen, während ich versuche, sie, mich ihnen nähernd, zu umgreifen, während jetzt und dieses Mal diese Arme, Beine und Sinne gespannt verharren (oder noch und jetzt: sie verfleddern, verfangen sich in einem Netz von Zuordnungen, das aber relativ stark in sich ist, also dehnbar ist und sie so „gehalten“ werden). Ich nähere mich den Wörtern an, fahre meinen Taktsinn heraus und will sie greifen: woraus besteht dieser Anhaltspunkt, den sie jeweils darstellen, im ganzen Kontext, Gefüge aus Gemeintem und Gesagtem, Nicht - Gesagtem und Nicht - Gemeintem. Schließlich sind sie der einzige greifbare Anhaltspunkt (jemand hat gesagt, jemand hat dieses Wort benützt und das heißt...); der Punkt, bei dem angehalten werden kann, während der ganze Kontext tanzt, der ganze Stoff, das ganze Gewebe aus sogenannter Werkelichkeit. Und dann werden plötzlich, aus einem roten Teppich flirrender und herumirrender Meinungen Wörter herausgeschossen und die treffen mich plötzlich, als hätte ich eine Ohrfeige bekommen und es scheint, als ob man mir diese Ohrfeige gegeben hat, damit ich das Land, den Kontext, die Landschaft wechsle, um mir etwas, das nicht rollt, hinzuwerfen. Dann bricht mein ganzes Jetzt auf und ist schon gleich ein anderes.


Oder streiten: mir, dem Jongleur unendlich vieler Möglichkeiten und Zweifel, wird ein erneuter Ball zugeworfen und einer, der gar nichts mit der Sache zu tun hat. Viel zu weit hergeholt, aus ganz anderer Umgebung, aber mit viel Kraft in mein schwebendes Gefüge geworfen, um es zu treffen, um all meine Bälle fallen zu sehen. Und manchmal schaffe ich es dann sogar noch, diesen fremden und von zu weit hergeholten Ball in meine unendlich oft jonglierten Bälle einzugliedern, so, daß mir keiner der anderen aus der Hand fällt (einfachere Möglichkeit wäre, diesen, mir zugeworfenen einfach zu ignorieren, mich während meines Jonglierens zurückzuziehen, all meine Bälle mit mir zu nehmen, sodaß der zugeworfene mein Geflecht dieser ständig in Bewegung seienden, jonglierten, nicht gestört werden würde...). Aber die Kraft des dann oft mit Wut oder sogar Bosheit geworfenen bringt mich doch immer wieder draus, mitsamt des von den anderen, aus Wut geworfenen und ich beginne von Neuem, man wirft mir wieder einen zu, der nichts mit dem meinen zu tun hat, etc.


Oder das Gute Jonglieren, das mit anderen Jongleuren:
der andere wirft mir einen Ball zu, einen aus seinem wabernden Jonglierturm, einen seiner Zweifel, seiner Blicke, der fügt sich ein, in meine zusammenjonglierte und momentane Struktur, das heißt, ich schaffe es, ihn während des Jonglierens einzugliedern, komme in Schwung, meine Bälle, erfreut, über den zugeworfenen, springen schneller und einer will höher hinaus als die anderen, sondert sich ab und - schon fliegt er ins gegenüberliegende und wackelnde Halbkreise öffnende und schließende Netz des anderen, der kommt in Schwung, wirft mir sogar gleich zwei Bälle zu und ins Geflecht der meinen und dann Spiel, ganz plötzlich, fliegen die Bälle hin und her, vom einen zum anderen und sie fügen sich ein, es entstehen neue Luftkonstruktionen und Gebilde, diese werden dann wieder abgebaut und wieder neu aufgebaut, und so weiter.


Oder: jetzt würde ich den Ausblick aus diesem Fenster genießen, wenn ich ihn durch, mit seinen Augen sehen könnte, würden unsere Gedanken wie Bälle durch die Luft wirbeln und ein Gewicht ohne Gewicht erzeugen, welches mich auf der Erde freudigst einen Platz einnehmen ließe.
Oder: das beste Jonglieren wäre das, wenn die Gedanken und Bilder und Bälle so schnell um einen selbst und den anderen springen würden, daß überhaupt kein Ball mehr zu sehen wäre - und auch keine Hände mehr.



Inspiration ist und war schon immer selbstgemacht, weil es wir selbst sind, die ihr einen Raum in uns verschaffen, ihr einen Platz einräumen. Ihr, der Inspiration, einen Platz einräumen, den Raum, den man in sich selbst für sie leergeräumt, für sie geschaffen hat, hat man eingeräumt, mit einem Hohlraum, mit einem Raum, wo man nicht mehr selbst wohnt und ist.
In sich selbst hat man eine Stelle geschaffen, wo man nicht mehr man selbst ist. Mit Arbeit, mit Leerräumen und Schaffen, das ein Machen ist, ein ganzes Bündel aus Machen, das das Viele allen Unleidigen weg- und leerräumt, sodaß die Inspiration in diesem Hohlraum platznehmen kann, auf Möbeln, die ich nciht mehr kennen will und noch nicht kenne, um sie irgendwann schreibend und räumend, plötzlich in Empfang zu nehmen.
Der Anfang dieses Machens und Aus- und Einräumens, was alles dasselbe ist, nennt man Disziplin. Sie steht auf den Beinen des Sinnlosen und ganz Unnützen.
Das sinn- und richtungslose Machen, das, das nicht benennen kann, was es ist und auch nciht, was es tut (es „irgendwo“ aber doch weiß und davon getrieben wird, und ohne dabei an falsch oder richtig zu denken) und was und ob etwas aus ihm werden soll.
Das „Etwas - Werden“ hat hier keinen Platz.


Herumtreiben, im großen und immer wieder unbenannten Feld des lose herumtreibenden Sinns kann genausogut in einem Kartoffelfeld enden und dort Früchte schlagen - man hat nur noch nciht die Verbindungen, Verknüpfungen (Sinn) der Bestandteile dieses Felds gefunden.


Und die Fetzen, Wörter und Erdbrocken, die dann aus diesem Herumtreiben herausspritzen, entpuppen sich im Moment ihres Aufschlagens, dann, wenn sie eine Art „Feld des Sinnlosen“ in den Stoff des Erkennbaren einschlagen, darauf begrenzen und einhüllen: als sinnvoll.
Oder ich nehme etwas als wahr: an.


Und, sie, die Fetzen, Sätze und Erdbrocken, schlagen auf, stellen irgendeinen Kontakt her, berühren einen Punkt in diesem unsichtbaren Netz, der eine Stelle im eigenen Kopf IST, die vielleicht sowieso schon eine Weile lang am „Vor - sich - Hinschwelen“ war.
Ein kleines Stück aus dem riesigen und brach daliegenden Feld des Sinnlosen abgerungen, geerntet und:
was ein Wurm.
Zwei: und wieder hat man das gefunden, das man wieder nicht gesucht hatte und eben doch, irgendwo, aus dem Dunklen heraus, eben, doch und zu flach gesucht, gewußt und mit Überzeugung nichtgewußt, daß da etwas ist, für das der Mut sich lohnt, für das, für das man vorher nicht einmal einen Namen wußte.


Im Nichtwissen angesiedelte und doch gewußte Sache, die Plötzliches, das ein Seit - langem - Gekanntes ist, zutage bringt:
das wirkliche Machen und Tun ist immer ein tuendes Nichtstun.



Alter Regen


Ungeordnetes verwandelt sich auf den Wegen seiner Penetranz in Ordnung.
Regen befällt mich, wie einen herrenlosen Hund die Straße.
Gesänge aus Luft, die flattern meine Bilder rot.


Das Schreiben findet schon von alleine seinen Weg, und wenn es sich durch ganze Körper bohrt, wie ein Wurm.
Oder: welches wäre der Maßstab für das Erkennen verborgener Ordnungen?
Nicht wie sonst, wenn zuerst der Maßstab erfunden wird, damit sich das daran Gemessene daraufhin auf jeden Fall finde - aber, wie sonst?
Ordnungen anders herstellen, messen:
Neues soll neubleiben, wird aber trotzdem immer wieder alt.
Regen ist immer himmelsneu und wird einfach nie alt, während der Himmel uralt und mit seinem ganzen Regen vielleicht längst gestorben ist, ist.


Ein Mistelblatt fliegt Glasscheibe.
Ein Lächeln ist das Wachsen einer Mistel (es läuft parallel - wer weiß schon, was schneller ist).
Hecheln, fächern, fackeln, sprechen, fallen, lassen und auslosen:
die Windstöße, die diese Tätigkeiten machen, übereinanderlegen, zusammenkleben und vielleicht würde am Ende DAS Lächeln sich wie eine kleine Wolke selbst umkreisen?


Es ist überhaupt nichts geschehen und sogesehen, geschieht nie etwas, denn alles ist immer bereits da; ein Ereignis über das andere gelegt und auch beim Gehen gibt es kein Vorher, das nciht abzuschütteln wäre. Weitergehen und immer mehr gehen und dem Wind ins Gesicht sehen, in seinen Geruch sehen, Baum sehen, Abfall sehen, ganze Länder aus Stimmen sehen.
Zufall? Das einem plötzlich Zugefallene (ein Wind) kann ganze Landschaften verändern. Wände aus Zukunft, goldene Kleider aus Nachher: das Folgende ist immer schon da, wenn es beim Namen genannt wird.
Schwebende und fliegende Wörter, die ganze Landschaften verändern können.
Wörter, die schweben, riesige Fußböden aus Berggipfeln.
Alles: ganz leicht, im Kopf.
Oder: ich treibe die Länge eines Moments an, mit handgetriebener Richtung.



Ich spreche den Himmel (aus), das Wort flammt auf, flammt pfeilschnelles Blau vor dem inneren Auge auf. Grüner Himmel, gelber Himmel, schwarzer Himmel, weißer Himmel, roter Schimmel. Der grüne, der, den es nicht gibt, während man sich dieses Bild wohl vor Augen führen kann, kurz:
um sich zweizuteilen, in die Farbe „Grün“ und in einen dahinterliegenden, blauen Himmel.


Die einzelnen Bilder, wie sie fallen: ihr im blinden Fleck des Auges schweifendes Echo mit Händen greifen, darin eine Schüssel halten und sie wieder, zusammen mit einem Vogel, zurück und in alle Lüfte werfen.
Jeder konstruiert sich sein eigenes Skelett und dauernd; Projekt, an dem ich mich festhalte, damit es mich festhält;
mein Mich - Festhalten erzeugt eine Kraft, die sonst nur lose in einem Baum hängen würde.


Das Auftauchen aus der Sprache:
aus dem Heer der Augen und Sinne heraus,
aus dem Netz der Bewegungen im Innern der Wörter heraus,
nachschlagende Zeiger, deren Nicht - wirklich - Zeigen klar am Horizont steht.
Festgehalten, nur durch die Zusammensetzung eines Moments und dann verblaßt, verschwunden.


Mitten aus flackerndem Sinn und im Deuten ansonsten nur tragender Wörter,
schwebend, in Bereich und Reich und Haus aus Bewegung unendlich vieler Wege:
soviele Rots aufeinanderhäufen, damit ein schweres Grau entsteht.


Das Alltägliche und das aus ihm heraus Übergeschwappte und somit zu Berührende:
Deutungen, Peitschen aus Wind, die Hand verkehrt sich in einen Himmel mit Wolken.
Die Wirklichkeit weicht aus und macht einen Rückzieher, auf dem Pfosten, der die Wörter ist,
steht ein Bild und strahlt zugunsten aller möglicher Augenlappen, die die Grenzen zwischen
Außen und Innen aus ihrem eigenen Bild wischen. Das Bild wird dann wieder von seinem eigenen Pfahl durchstoßen und stößt dabei Gedanken aus, deren Stimmlage sich in genau dieser Bewegung gründet.
Oder: Bilder erzeugen und sie durch gegenläufige wieder aufbrechen, sodaß tausend Dritte entstehen.


Rollen, die geschlagen werden. Die, die leicht im Wind, und von ihm gestärkt, an der Luft entlanglaufen. Auf einem schnellen Teppich, der dreht alles in eine Richtung, in einen Willen und zuerst in den des Windes. Nicht nur kalkulierte Reizungen, die starre Säulen zu feister Runde stehen.
Tragen, die Augen Vorbeistreifender tragen das Gestreifte, während alle zu lächeln scheinen, nur, weil Segel gehißt wurden. Niemand braucht Beschützer und auch keine Zuhälter, die alle nur geschlossen halten, indem sie alles zu kennen meinen.


Hoch oben, festgehalten: das gegenüberliegende Haus ist schön. Es beruhigt. Manchmal kann man in seine großen Innenräume hineinsehen und manchmal ist sogar eine Person darin zu vermuten.
Mein Blick fällt in einen großen und dunklen Raum, während ich vor einer leuchtenden Mauer stehe, auf der irgendwelche Pflanzen entlangkriechen. Obwohl: sie sind schnell; produzieren sie doch bei jedem Schritt ganze Söhne, Enkel und Vettern zugleich, während die Damen in hellen und blühenden Sommerkleidchen spazierenfahren.
Dahinter aber bewegt sich etwas und das Dunkel, welches die Wände des Hauses einfaßt, hat sich bewegt, als werde es an einer seiner Ecken hochgehoben und gedreht, sodaß ein Weniges aus Licht auf eine Malerei fällt:
die hält fest, die gibt Stand und Stehen, die ist Fassung all dieser sich ruckartig bewegenden Zeit - Brocken und Perlen:
zusehen, wie alles immer fällt (Quellen zu Wind versegelt).


Vielklänge aus Gesprochenem: schwarzblau, mit etwas Grün darin, singen jetzt die Geräusche der Umgebung mit der wippenden Kette aus hartlautenden Wörtern anderer: zusammen.
Sich daraus erheben, indem man sich ganz in die Mitte dieses Rauschens begibt. Und auch, wenn man selbst Lärm dabei macht, und auch, wenn es schwerfällt, und auch, wenn man den Boden mit seinem eigenen Fall zum Vibrieren bringt.
Ganze Wetterleuchten aus vollgebrummtem Ort:
Donner aus Menschen, Donner aus der Bewegung ihrer Beine, Fässer, Wolken. Graue, lohnende Erdbrocken. Das Einen - Umgebende steckt fest in dem, was es umgibt, einzäunt und zum Krausen bringt.
Feine Umgebung: losgerissen von dem, was in ihr steckt.
Oder: über sich hinausgehen und wandern, ganze Hallen hinter sich lassen und vergessen:
mit den Füßen im Himmel stecken, im Atem lasziven Sprungs und lautlosem Rasen:
mit dem Ohr am Erdboden liegen, um Rosen zu hören



Wenn
sich die Wörter von einem wegspreizen, wenn sie das, was sie mir sagen sollen, mir nicht mehr sagen und ich dann sogar noch beginne, nichts mehr verstehen zu wollen?
Oder: sie, die Wörter, verzweigen sich auf dem Stamm, der ich sein soll. Dann werfen sie Blüten mit einem Geruch aus, den ich nicht einordnen kann, sodaß er mir vor der Nase wegfliegt und ich nicht einmal weiß, wohin er geflogen ist.


Und manche Wörter werfen sich plötzlich - und wie dieser Geruch - „sinnlos“ aus und hinaus, sodaß sie mir auf dem Kopf herumtanzen und Mücken zum Verwechseln ähnlich sehen.
Oder: bin ich jetzt verrücktgeworden, weil diese Wörter ohne Namen aus mir herausfliegen, ohne, daß ich ihren Fluß und Flug stoppen könnte?