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die messbare tiefe der organisation, die uns animierte. den urmeter prüfen. die häuser bestehen aus kuchen.
montagne sainte-victoire´s twenty four expiring versions per time unit. beachte das frischedatum der umgebenden dinge.
die natur produziert fertiggerichte. durch öffentliche ämter mithin geht das geerntete, geht das körpergewicht bekleidet hindurch.
wir lagen übereinander, in der generationszeit. auf mir befand sich ein präsident und die endlose reihe seiner lebendigsten darsteller.
sagt eine erbse zur andren. die nachschublinien sind über und über mit wohngebieten bedeckt. rasen von bürgerbüros.
wenn strukturen auf die straße gehen, was ist dann die straße. und das obst, am strauch sekundenlang optimal konserviert.
ich zahlte in der lebensmittelabteilung und bekam das geld am automaten zurück, das an den bäumen wächst.


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die menge der schaulustigen beobachtete sich wartend selbst, zu der wir vorliefen.
vielleicht ließe sich das risiko auf eine region konzentieren. darauf der landregen.
meine übernächste hausärztin wurde gerade geboren. ich kontrollierte meinen lippenstift.
in der knautschzone umherschweifen, das war morgen. unsere sachbearbeiter existierten bereits irgendwo.
fließend der übergang zwischen erster hilfe und zweiter natur. nur krankenwagen verunglücken.
vielleicht muß das ticken ununterbrochen wahrgenommen werden, damit die detonation ausbleibt, ein singspiel.
was mir zustieß war, mit der wucht eines aufpralls, diese police. die zukunft unserer möbel.
exit erste hilfe. der wind dreht nur als ganzer. die maschinen landeten regelmäßig über dem stadtgebiet.


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wir gaben einige der gebäude wieder frei. die empfangsräume entsprachen jetzt internationalen standards.
gewisse fassadenelemente der historischen altstadt waren neu verklebt worden.
wer das aufzeichnete, brachte bloß neue portraits der königlichen familie hervor, die rannte.
und schon die minimale bewegung ennervierte ein rauschen, volle kaskaden von muskeln; sekundenlang berührte niemand den boden.
jene herausgelösten gruppen, die in die schwer zugänglichen landes-teile im inneren, eben das zentralmassiv, gebeamt wurden.
und dann in demonstration verschwinden. die reine vorsichtsmaß-nahme als sehnsucht realisieren.
dieser empfang wäre eine scheibe, ein nährungsweise runder bereich, der verschiedene zonen um das epizentrum herum verteilte.
man hatte somit den abgesprochenen treffpunkt immer vor augen, den es zu meiden galt.
und dieser empfang wäre ein ring, der aufgerissene straßen umhüllte, aus denen das trinkwasser, an den jetzt immer gleichen stellen, hervorquoll.
wir kontrollierten die, die uns beobachteten, indem wir genau das machten, was sie sahen.
im wildwechsel der zeugen folgte rücken auf rücken. die eiförmige aura nicht strafbarer handlungen, die uns umgab.


Science of Slapstick
Zu drei Gedichten von Daniel Falb


Vom Beschädigten nur die besonderen Bruchstücke, von den Oberflächen nur die durchlässigen. Daniel Falb schreibt Festkörpergedichte, die sachkundig mit den Aggregatzuständen eines spätkapitalistischen Feelings flirten. Falbs Dates mit der ausgedehnten Materie sind gleichermaßen von einer Berechnung wie von einem Befremden gekennzeichnet, das Losungen zur Handlungsunfähigkeit durchgibt: »und dann in demonstration verschwinden. die reine vorsichtsmaß- / nahme als sehnsucht realisieren.« Die Frage nach dem Wogegen, stets begleitet von dem Know-how des What-for, verbindet die formelhaft angeordneten Zeilen zu einer Serenade für den Renegaten. Man stelle sich den Dichter als einen jungen Mann am Schaltpult vor, der mit Bedacht die Knöpfe abmontiert: »wenn strukturen auf die straße gehen, was ist dann die straße.« Die stille Rebellion seiner Gedichte ist die des Schlüpfens und Hindurchgleitens, Mimikry ihr Trick, der sich als Ablenkung tarnt: »wir kontrollierten die, die uns beobachteten, indem wir genau das / machten, was sie sahen.« Das ist weniger Affirmation als Slapstick, der in seinem Vorauseilen auf Zeit und Raum reflektiert, die Voraussetzungen von Kausalität, deren Unterwanderung er anstrebt. Hier dichtet jemand, dem die Quälerei mit der Qualia, dem rohen Tasten der Empfindungen angesichts eines überdeterminierten Jargons der Hard Sciences, zur gelungenen Herausforderung wird, für die er immer neue Textaufgaben findet.

Seine Verse und Strophen darf man nicht als metrisch gebundene Einheiten missverstehen, eher markieren sie einen Richtungswechsel, der ein Nacheinander als Begründung nicht mehr gelten lässt: »in der knautschzone umherschweifen, das war morgen.« Einen gründlichen Zweifel an der Subordination von Abläufen drücken solche Lehrsätze aus, die Falb nicht mehr kausal aufeinander bezieht. Die Realität der Zukunft wird dem Gedicht somit nicht minder zum Problem als der Relativitätstheorie: »das war morgen.«

»The past is gone and the future isn't here yet. So all we have is this, the present«, lässt Jim Jarmusch in Broken Flowers Bill Murray erklären. Er zeigt einen Don Juan, dem seine Vergangenheit die Gegenwart verwirrt. Die leichtverdauliche Philosophie, die dem charmanten Hauptdarsteller gerade gut in den Kram passt, findet im Film ihr Korrektiv; dabei läßt er offen, ob es sich um ein wirklich verflossenes Ereignis gehandelt hat, das nun Einfluß auf die Gegenwart nimmt, in der sich ein Herzensbrecher für die Zukunft als Vater imaginiert. Man möchte mit einem Falbvers kommentieren: »fließend der übergang zwischen erster hilfe und zweiter natur.«

Zur zweiten Natur sind dem Dichter die Fragen der Philosophie des Geistes geworden, die Unmittelbarkeit nicht in physikalische Gesetzmäßigkeiten überführen kann. Für diese Unmittelbarkeit errichtet Falb Räume, in denen er die Stellprobe auf Ursache und Wirkung macht. Er wendet die Tempora, die ihm in der Sprache zur Verfügung stehen, und man wird gewahr, dass einem Kontinuum ganz aus chronologischem Verständnis misstraut werden sollte. Doch darf man sich ihm auch lustvoll hingeben, weiß man um seine wissenschaftlichen Prämissen, die das Vergehen der Zeit wie 'Wir' sie erfahren bislang noch nicht begründen können. Auch Cézanne, dem der Gebirgszug Sainte-Victoire zur Malaufgabe vor der verstreichenden Zeit wurde, steht an anderer Stelle Pate für die Verfallsdaten, die sich nach Zeiteinheiten bemessen: »montagne sainte-victoire’s twenty four expiring versions per time / unit.« Cézanne aber versuchte die Zusammenschau aller Augenblicke zu malen, eine stillgestellte Welt, von keinem Vergehen zersetzt. Und das Gedicht lässt diesen Versuch gelten, wenn es sich lakonisch daran erinnert, was neben Berg und Bildern denn noch geblieben ist: »beachte das frischedatum der umgebenden dinge.«

Das Falbsche »wir« ist dabei nie ein wohlmeinendes, wohl aber ein wohltuendes, denn es vermeidet die ausgesuchte Kränkung, die 'Wir' sagt, aber ‚Ich’ meint, und von der sich schon Adorno nicht eingemeinden lassen wollte. Vielmehr findet sich in diesem »wir« eine Form der Insubordination: »wir gaben einige der gebäude wieder frei. die empfangsräume / entsprachen jetzt internationalen standards.« Und es befördert die Komik, die seine Gedichte grundiert: »wir lagen übereinander, in der generationszeit. auf mir befand sich / ein präsident und die endlose reihe seiner lebendigsten darsteller. // sagt eine erbse zur andren.«

Da wird jede Vertraulichkeit, die diesem »wir« noch anhaften könnte, jede Kumpanei zwischen biochemischen Wachstumsbedingungen, Mendelscher Vererbungslehre, Präsidenten-Bashing und einem Märchen aufgelöst, das sich auf einen Witz bringen lässt. Zimperlichkeiten werden nicht geduldet.
Falb entfaltet Einsichten, die auf der Höhe von Wissen und Dichten sind, ohne die symbolischen Formen der Erkenntnis gegeneinander auszuspielen. Das zeichnet einen klugen Kopf aus, der weiß: Wer nur etwas von Dichtung versteht, hat auch davon mitunter nicht viel verstanden, und dass die Technokraten von heute ein Morgen nicht ohne Dichtung buchstabieren können, ist ihm ebenso geläufig. Dazwischen schreibt einer, der das Parlando nicht sucht, keine Erbauungen ausgibt, sondern das gelehrte Gespräch als Flirt neu erfindet. Nicht die schlechteste Form, eine Prima materia in Materia prima zu verwandeln, oder, anders gesagt, Gedichten Substanz zu geben und sie nicht in Esoterik aufzulösen. Ganz sicher eine Denk- und Dichtungsart, die ihn noch weit trägt. Achten Sie auf die Ablenkung. It’s magic!


Sabine Scho