TICKERZEIT
Zwei Gesänge


I

Leibseliger drängelt
auf Klärung hier, wo
im Lärminnern sich verschlimmert
nach unverhofftem Fortgang beinloser
die Lage der Ration, ins Winterlager
kopfloser gegen die Wand gestoßen
ins Weißprogramm manövriert
tiefer als gedacht, als gesteckt
in die Tasche diesen Gedanken
vom Weltbrot, wundersames Teilen
durch den Nullgrund. Sichtung:
Was das bisher zu sagen hat? Protest
auf den Punkt angelegt, ins Komma
geraten, ins Drängeln, und was
das ändert, es gesagt haben! Kurz:
Klimawandeln als Worthandeln.
Wie himmelsrichtig ziehts da im Gemüt
dem Ichgebild, das ich wär. Zu mach
Weltfenster. Schalt auf Tagesinnenschau,
Gewissensblüte. Knospt. Drängelt auch da
weiter, Leibseliger, auf Wut angelegt,
wie, sagen wir: Prophetenschädel
ins Rollen geraten, ab gehts
ab fällts vom Herrn, rollt widerrufend
vom medialen Podium, wie stumm
der Aufprall, stumm das Sehen
im Opernglas als Knall. Wie mühlos,
was Fall ist. Satz, mach Platz:
Idomeneo trifft in Kreta ein.
Trifft auf sein Kind.
Fortgang bekannt. Es drängelt,
wie nebenbei, wer immer
Leibseliger sei, auf Klärung:
gestellt das Bild und verhaftet
im gemäßigten Klima,
kein Sand breit. Aber warte,
bald schmilzt, wie Polkappen,
auch du, wirst Bildermeer.
Sicht weit. Woher nur
die Prophetengeste?
Aus dem Barte gezwirbelt,
Leibseligers Werk, der drängelt
vom Tisch die Bedenken
ins Bett und kommt näher
unter Wechselkursen,
ein Späher im Bad ohn Unterlaß
der Mond sieht her, dein Mund
ist kein Gesicht? Ein Vokal
läßt ihn sein. Komm hauch
mir eins. Laß Augen übergehen,
Lies Kleingedrucktes klar, es herrscht
es drängelt ein Insgeheim
Leibseliger, wir sind bald da
Leibseliger, wir rücken vor
Die Außenreferenz ist nah



II

Den Stimmbandwechsler eingelegt:
es singe hier dein Unterton
sein Angriffslauschen vor, hör zu
diesem Gewissensbiß ins Ohr
er wispert dir von großer Schuld,
(die Welt, sie komme hier nicht vor,
wie soll sie dann verstanden sein?)
gießt reinen Wein ins Zeichenblut,
komm, sei zur Stelle, hingespult
der Tickerzeit ein Zeuge, herrenlos,
vom Himmel groß geflogen kommt
der Eurofighter, im Gepäck
die Wolkenteilung, sei Flugbegleiter,
nimm von oben den Reim, hol aus,
dann aber triff auch hinein ins Schwarze
wie von allein das Blaue, menschliches
Ziel, ein Getick im Genick, gewendet
danach, ins Hören vertieft, ins
Schießen, ins verbale Schließen
metrisch biometrisch, einem Fingerzeig
nachgezählt und stillgestanden,
ein Sekundenleser, Datentakte
auf der schweren Zeit, im Nagel
sitzt der Wahlimpuls, dein Pass:
ausgewiesne Autorschaft?
(wie sollst du hier vorhanden sein?
Die Welt, sie kommt dir ja zuvor)

Ein eingespieltes Geigermetronom?
Ein Elektrowecker, Marke Little Star?
Ein allzu angestrengter Ton,
zu transparent: Terrorgefahr?
Nur im Kopf dein Thermistorentickern,
museales Denken, ach der so
schön Gekreuzigte darf nicht zerfließen:
Liebe zu veralteten Devisen.
Nachtflug, draußen Flügellicht,
mitgeschwebt die kleine Angst -
(was soll denn hier gestanden sein?
Nichts als die Welt: lies vor)

Die Nagelschere zur Besitzaufgabe.


Christian Filips
Berlin. November 2006 - März 2007