Bachmannpreis und die objektive Literaturkritik

Philipp Tingler ist öffentlichkeitswirksam aus der Jury des Bachmannpreises ausgetreten und lastet das vor allem Insa Wilke und einer gewissen Postenschieberei an. Da hat wohl einiges hinter den Kulissen stattgefunden. Weil sowohl Insa Wilke als auch Beate Tröger einmal an der Lyrikkritikakademie teilgenommen haben, wollen wir uns an dieser Stelle der Spekulationen enthalten. Nur so viel: Die Diskussion, ob nun objektive Kritik möglich sei (wie es Tingler formuliert), ja geboten sei, flammte auch in der Akademie regelmäßig auf, vor allem Peter Geist vertrat sie, allerdings komplexer als sie hier in der neusten Diskussion dargeboten wird. Die Wahrheit liegt natürlich nicht in der Mitte, sondern klassisch, frei nach Georg Philipp Hegler, in der Aufhebung beider Positionen in einer höheren. Dazu sei nur so viel angedeutet: Wir können gar nicht anders, als in im Anspruch objektiver Anmaßung reden. Gerade auch die, die es subjektiv haben wollen, tun dies meist, ja zwangsläufig, sobald sie einfordern, dass man ihnen zuhöre und womöglich folge. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass Objektivität einfach, wie es Tingler insinuiert, gegeben und abrufbar wäre. Es gibt schlechterdings keine Instanz, die diesen immer mitlaufenden Anspruch auch (gewaltfrei) durchsetzen könnte. Und das meint auch: es gibt keine objektive Notwendigkeit der Durchsetzung dieser. Immerhin versucht Tingler dabei, auch wenn er dem nicht gewachsen ist, den meist unbewusst oder hinterrücks geltend gemachten Ansprüchen des nur vermeintlich subjektiven, sogenannten Identitätsdiskurses etwas entgegenzusetzen. Dieser Anspruch fällt – für ihn zumindest – sinnfällig ineins mit Strippenzieherei. Insofern würde es sich doch sowohl theoretisch als auch praktisch lohnen, das mal zu diskutieren.